Viele Frauen wissen nach einem Kaiserschnitt nur ungefähr, was damals passiert ist. Im Moment selbst ging alles schnell, danach war das Baby da, und die Fragen kamen erst Wochen später.
Für deine nächste Geburt lohnt es sich, diese Lücke zu schliessen. Der Bericht deines Kaiserschnitts enthält Angaben, die für das Gespräch über eine VBAC wichtig sind. Und er kann dir helfen, das Erlebte zu ordnen.
Warum der Bericht für deine VBAC zählt
Ob eine Geburt nach Kaiserschnitt für dich in Frage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie die Gebärmutter damals eröffnet wurde. In den meisten Fällen ist es ein Querschnitt im unteren Bereich der Gebärmutter. Das ist nicht dasselbe wie der Schnitt in der Haut, den du siehst: Die beiden können unterschiedlich verlaufen.
Auch der Grund für den Kaiserschnitt spielt eine Rolle. Ein Baby in Beckenendlage ist eine andere Ausgangslage als ein Geburtsstillstand. Mit dem Bericht kann deine Ärztin oder Hebamme deine Situation einschätzen, statt zu raten.
Was im Bericht steht und worauf du achtest
Bitte um die vollständigen Unterlagen zu deiner Geburt, nicht nur um den Austrittsbericht. Diese Punkte sind für dich interessant:
- Der Grund (die «Indikation») für den Kaiserschnitt
- Ob er geplant, während der Wehen entschieden (sekundär) oder ein Notfall war
- Wie weit der Muttermund zu diesem Zeitpunkt geöffnet war
- Die Art des Schnitts an der Gebärmutter
- Wie die Gebärmutter verschlossen wurde
- Ob es Komplikationen gab, zum Beispiel stärkere Blutungen
- Ob vorher eingeleitet oder ein Wehenmittel gegeben wurde
- Die Lage und Haltung des Babys
Die Sprache in diesen Berichten ist medizinisch und knapp. Lies ihn nicht allein um Mitternacht. Nimm ihn mit ins Gespräch mit deiner Hebamme oder Ärztin und lass dir erklären, was du nicht verstehst.
So forderst du ihn an
Du hast das Recht, deine Krankengeschichte einzusehen und eine Kopie zu verlangen. Am einfachsten schreibst du dem Spital, in dem du geboren hast, einen kurzen Brief oder eine Mail an die Patientenadministration oder das Archiv:
«Ich bitte Sie um eine Kopie meiner vollständigen Geburtsdokumentation vom [Datum], inklusive Operationsbericht, Geburtsverlauf und Hebammendokumentation. Ich bin [Name], geboren am [Geburtsdatum].»
Leg eine Kopie deines Ausweises bei, wenn das Spital danach fragt. Rechne mit ein paar Wochen Wartezeit und frag nach, wenn nichts kommt.

Wenn der Bericht etwas in dir auslöst
Ein Bericht erzählt, was gemacht wurde, nicht, wie du es erlebt hast. Manche Frauen sind erleichtert, endlich zu verstehen. Andere merken beim Lesen, wie viel noch da ist: Wut, Trauer, das Gefühl, übergangen worden zu sein.
Beides ist in Ordnung. Wenn dich die Erinnerung an die Geburt nicht loslässt, kann der Fragebogen Geburtstrauma ein erster Schritt sein. Im VBAC-Kurs nehmen wir uns Zeit dafür, deinen Bericht gemeinsam einzuordnen, bevor wir nach vorne schauen.
